Bleach
Germany 2006, single-channel video
DV-Pal, 4:3, color, stereo, 7'05"
Sound: Tommy Finke
© 2006 Martin Brand/Tommy Finke













Bleach is based on visual and audio material, recorded at the Cologne Carnival, in February 2006. From this material those sequences were chosen in which the cleaning squad is seen, following the Carnival Monday Parade with a multitude of garbage trucks and garbage collectors dressed in orange. The orange parts were subsequently exposed with the help of a color key and underlayed with black. Furthermore, superimpositions, time leaps and time lapses were frequently used.

From a compositional view, the image and sound levels run through several phases, that are together perceived as augmentation or intensification. Out of an initial black nothingness a few, small seemingly nonrepresentational orange and pale yellow picture elements begin to emerge, which increasingly densify throughout the course of time and ultimately allow one to occasionally recognize representational shapes. This is followed by sequences, in which picture particles or figures appear in a flash to then disappear again, or larger constellations of figures are moved and altered en bloc. At the end, a multilayered, ‘condensed into an whole’ closing-sequence is shown, whose celerity is increasingly reduced and eventually disappears into a white nothingness.

On the musical level, the fourth takes the role of the dominating interval. From the initial recordings, fourth-paces of the samples were created as over and under tones. Thus new, mood inflicted material was gained, which in turn served as a basis for diverse sounds. As classic ‘carnival interval’, the fourth is taken out of its original context and musically achromatized.

Through the subjective composition process, during which image and sound were able to reciprocally influence each other, two equal levels were formed, which together make a whole, without reproducing or imitating one another.


Bleach basiert auf Bild- und Tonmaterial, das beim Kölner Karneval im Februar 2006 aufgezeichnet wurde. Aus dem Material wurden jene Sequenzen ausgewählt, bei denen die Reinigungskolonne zu sehen ist, die mit einer Vielzahl von Müllwagen und orangebekleideten Müllmännern dem Rosenmontagszug folgt. Die orangefarbenen Partien wurden anschließend mit Hilfe eines Farbkeys freigestellt und mit Schwarz hinterlegt. Zudem wurde vielfach mit Überlagerungen, Zeitsprüngen und Zeitraffereffekten gearbeitet.

Kompositorisch durchlaufen Bild- und Tonebene mehrere Phasen, die zusammengenommen als Steigerung bzw. Intensivierung wahrgenommen werden. Aus anfänglich schwarzem „Nichts“ tauchen zunächst wenige, völlig gegenstandslos erscheinende orange- und blass gelbfarbene Bildelemente auf, die sich im Verlauf zunehmend verdichten und schließlich ab und an gegenstandsbezogene Formen erkennen lassen. Es folgen Sequenzen, bei denen Bildteilchen oder -figuren blitzartig auftauchen und wieder verschwinden oder größere Figurenkonstellationen im Block bewegt werden und sich verändern. Am Ende steht eine vielschichtige, zu einer Art „Overall“ verdichtete Schlusssequenz, deren Geschwindigkeit sich zunehmend verlangsamt und die sich schließlich in ein weißes „Nichts“ auflöst.

Auf der musikalischen Ebene herrscht die Quarte als kerngebendes Intervall. Aus den Ausgangsaufnahmen wurden Quartschritte der Samples als Ober- und Untertöne erzeugt. So konnte stimmungsbehaftetes, neues Material gewonnen werden, das wiederum als Basis für verschiedenste Klänge dienen konnte. Als klassisches „Karnevals-Intervall“ wird die Quarte hier aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und musikalisch entfärbt.

Durch den subjektiven Kompositionsprozess, bei dem sich Bild und Ton wechselseitig beeinflussen konnten, sind zwei gleichberechtigte Ebenen entstanden, die zusammen ein Ganzes ergeben, ohne sich gegenseitig abzubilden oder nachzuahmen.


© 2006 Martin Brand/Tommy Finke